Wir sind ehrlich: Auch wir reden ab und zu ganz gerne mit unseren Hunden. Ob es Dinge sind, die uns auf der Seele liegen oder ganz alltägliche Konversationen, die man eben so mit seinem Hund hat. Warum zu viel Gelaber deinen Hund auf Dauer aber taub machen und eure Beziehung ernsthaft beeinträchtigen kann, verraten wir dir heute.

Wenn man sich ein Hunderudel mal genauer anschaut, wird man bemerken, dass sich keiner der Hunde großartig verbal äußert. Es wird vielleicht mal gebellt oder geknurrt, aber es finden keine akustischen Konversationen zwischen den Hunden statt. Für uns Menschen manchmal geheimnisvoll, verständigen sich die Hunde untereinander mit Blicken, Gesten und Körpersprache. Sie scheinen eine geheime Sprache zu sprechen und haben (wenn es sich um gut sozialisierte Hunde handelt) keinerlei Probleme miteinander. Es gibt auch Menschen, die auf diese Art mit Hunden kommunizieren können. Diese scheinen den geheimen Knopf zu kennen, den man drückt und alle Probleme gehören der Vergangenheit an. Man nennt sie oft ehrfürchtig Hundeflüsterer!

In der Beziehung zu uns Menschen werden Hunde häufig viel zu viel zugelabert. Und je mehr man redet, desto unklarer wird dem Hund, was man eigentlich will. Das führt oft zu Problemen, denn Halter und Hund reden dann, im Wahrsten Sinne des Wortes, aneinander vorbei.

Worte sind eine Form der Aufmerksamkeit

Jedes Mal, wenn du mit deinem Hund redest, schenkst du ihm Aufmerksamkeit – du belohnst ihn also. Wenn du besonders viel mit ihm redest, ihm Fragen stellst, welches Leckerchen er heute gern möchte oder dass ihr später Gassi geht, stellst du dich im Rudel selbst unter deinen Hund. Das rangniedrigere Rudelmitglied sucht immer die Aufmerksamkeit des Ranghöheren. Wenn du also zu viel mit deinem Hund redest, suchst du seine Aufmerksamkeit und suggerierst ihm damit automatisch, dass du dich selbst als rangniedriger betrachtest. Man kann ihm also keinen Vorwurf machen, dass er das Gefühl hat die Hosen an zu haben und die Dinge für das Rudel regeln zu müssen.

Wenn du also das Gefühl hast, dein Hund würde dich für selbstverständlich nehmen oder für sich die Rolle des Rudelführers einnehmen wollen, kann es oft schon helfen, den Hund weniger zu beachten, sprich weniger mit ihm zu reden und ihn auch mal zu ignorieren. Er muss sich dann wieder etwas mehr anstrengen, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Worte nutzen sich ab

Es ist nur natürlich, dass sich in einer normalen Konversation auch Worte wiederfinden, die du deinem Hund vielleicht als Kommando oder Signal beigebracht hast, z.B. Gassi, Leckerchen, Körbchen, Sitz, Platz oder sein Name. Besonders beim Namen sollte man darauf achten, diesen nicht inflationär zu benutzen. Rufe deinen Hund nur, wenn es wirklich nötig ist und belohne seine Aufmerksamkeit (er schaut dich an, kommt zu dir). Wenn das Signalwort fällt, er reagiert und daraufhin nichts passiert, wird er mit der Zeit lernen, dass es sich nicht lohnt auf dich zu hören. Deshalb solltest du ihn immer mit Worten, einem Leckerchen oder einer anderen kurzen Interaktion belohnen, wenn er gehört hat.

Doppelbedeutung und viele Signalworte hintereinander

Für uns Menschen kann ein und dasselbe Wort, je nach Kontext, andere Bedeutungen haben. Bei Hunden ist das nicht so. Sie lernen ein Wort als Signalwort, worauf hin eine bestimmte Reaktion von ihnen erwartet wird. Ein Beispiel: Freya ist, seit sie bei uns ist, auf das Kommando „Bett“ oder „geh in dein Bett“ trainiert worden. Vor ein paar Wochen, lag sie im Körbchen und es war Zeit für uns Menschen, ins Bett zu gehen. Freya liegt also in ihrem Körbchen (Bett), der Rest des Rudels ist auf dem Weg ins Schlafzimmer. Wir schlafen immer alle zusammen dort, auch wenn Freya es rassebedingt bevorzugen würde, nachts das komplette Haus unter Kontrolle zu haben. Ich gehe zu Freya und sage „Komm Püppi, wir gehen jetzt ins Bett.“ Sie schaut mich an und bleibt liegen. Daraufhin gehe ich zu ihr ans Körbchen, beanspruche den Platz und wiederhole, was ich eben schon gesagt habe. Sie steht auf und geht in Murdochs Körbchen. Ich: „Nein, wir gehen ins Bett. Komm!“ Sie steht auf und geht wieder in ihr eigenes Körbchen. Das Ganze ging so 5-6 mal hin und her und ich wurde schon langsam ungeduldig. Da ich aber weiß, dass sie Ansagen entweder haargenau umsetzt oder testet, ob ich es wirklich ernst meine, habe ich mich selbst kurz zur Ordnung gerufen und die Schuld für das Missverständnis zuerst bei mir gesucht. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen! „Wir gehen ins BETT!“ bedeutet für sie, dass sie in ihr Körbchen soll. Ich habe also ihr Signal in einem anderen Kontext verwendet, etwas ganz anderes gemeint und von ihr erwartet, dass sie es versteht. Unfair, oder?

Genauso verwirrend ist es für deinen Hund, wenn du mit ihm den Tagesablauf durchsprichst: „Jetzt gibt´s erst mal was leckeres zu Essen, dann fahren wir zu Oma Hilde und gehen eine Runde Gassi! Neiiiin, jetzt gehen wir noch nicht Gassi! Jetzt gibt´s erst mal Leckerchen und dann zu Oma Hilde! Waldi!!! Schluss jetzt, nicht zumhüpfen! Du weißt doch, dass du ruhig sein sollst und dann darfst du essen! So ist ein Feiner! Braver Hund! Neiiiiiin! Waldi, Waldi, WALDI…“ Und so weiter! Wir haben mögliche Signalwörter mal fett gemacht. Das erklärt sich dann wohl von selbst. Der Hund kann gar nicht mehr wissen, was jetzt passieren soll. Unabhängig davon lebt er im Hier und Jetzt und kann mit einer zeitlichen Einteilung des Tages rein gar nichts anfangen.

Auch wenn du Kommandos oder Signalwörter mehrfach hintereinander benutzt, um den Hund dazu zu bringen, das zu machen was du möchtest, kann das auf Dauer schwierig werden. Der Hund lernt dann, dass er z.B. bis zur 3. Aufforderung warten kann, bis wirklich Konsequenzen folgen. Dann wirst du es bald 5, 7 oder 20 Mal sagen müssen, bevor das Kommando umgesetzt wird und irgendwann reagiert der Hund dann gar nicht mehr. Benutze ein Kommando nur einmal und warte dann ab, dass dein Hund es macht. Wenn du nachhelfen musst, dann nonverbal. So lernt er, dass auf die Nichterfüllung eines Kommandos eine Konsequenz folgt, statt erneut das Kommando.

Wir sagen gar nicht, dass du nie wieder mit deinem Hund sprechen sollst. Das wäre scheinheilig, denn auch bei uns bekommen die Hunde natürlich zwischendurch ein paar liebe Worte. Es geht mehr darum, ein wenig sensibler zu werden zu der Anzahl der Worte, Doppelbedeutungen und Missverständnisse. Erwarte nicht von deinem Hund, dass er jedes Wort inkl. seiner verschiedenen Bedeutungen versteht. Trefft euch in der Mitte: Eine einfache Kombination aus Worten und Körpersprache und ihr werdet zu besten Team der Welt!

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst.

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