Mensch und Hund gleichen sich irgendwann im Aussehen aneinander an, sagt man. Dass sich aber auch das Verhalten des einen (meist des Hundebesitzers) auf den anderen (den Hund) überträgt, ist mir in letzter Zeit häufig auf den Spaziergängen mit Murdoch & Freya aufgefallen. Manchmal ist mir das Verhalten anderer Hundehalter – auch untereinander – wirklich peinlich. Wie du dich als Hundebesitzer etwas rücksichtsvoller verhalten kannst und welche Auswirkungen das auf das Verhalten deines Hundes haben kann, erfährst du hier.

Die folgenden drei Beispiele sind mir in letzter Zeit auf unseren Spaziergängen selbst passiert und haben mich zum Nachdenken angeregt. Ich möchte sie hier mit dir teilen und gern deine Erfahrungen und Meinung zu dem Thema hören. Hier ist mal Platz sich den Frust von der Seele zu schreiben. Muss auch mal sein! Wenn du eine Geschichte hast, schreib sie uns unten in die Kommentare.

 

Hunde sollten sich immer ohne Leine begegnen!

Ich bin ein Fan von strukturierten Spaziergängen. Das heißt, bei mir dürfen die Hunde abwechselnd frei laufen, schnüffeln, spielen, suchen oder eben an der Leine laufen. Ich entscheide das manchmal spontan nach Lust und Laune und dann ist einfach zwischendrin für ein paar Minuten an der Leine laufen angesagt. Das heißt nicht, dass ich streng bei Fuß gehen übe oder sonst ein Training mache. Wir gehen einfach nur – meist mit durchhängender Leine – nebeneinander her. Ich finde das schön, wenn alle was zusammen machen, anstatt das jeder sein Ding und mal hier schnüffelt oder da markiert. Und gemeinsam laufen ist für uns genauso eine Rudel-Aktivität wie Ball spielen oder kuscheln.

Ich rufe meine Hunde auch grundsätzlich zu mir heran, wenn uns andere Menschen oder Tiere entgegen kommen. Der Grund dafür ist nicht, dass die beiden eventuell Streß machen könnten, sondern dass ich es (als Rudelchef) gern entscheide, mit wem gespielt wird und wann. Es ist auch nicht jeder gleich unfassbar begeistert, wenn zwei unbekannte, haarige Geschosse auf einen zugerast kommen. Wenn dann das Unwissen meiner beiden über ihre beeindruckende Statur und die Unsicherheit des Gegenübers aufeinander prallen, ist das meist für beide Seiten eine Erfahrung, die man sich sparen kann. Für mich persönlich gehört es einfach zu einem rücksichtsvollen Verhalten, wenn man vorab mit dem Gegenüber abklärt, ob ein Kontakt überhaupt gewünscht ist. Man weiß nie, was da auf einen zukommt. Vielleicht ein frisch operierter oder kranker Hund, der nicht spielen darf? Oder einer, der aggressiv auf andere Hunde reagiert und deshalb Leinenzwang hat. Oder es findet gerade ein Training statt, dass man selber eventuell unterstützen könnte, wenn man nicht gerade mit seinem Hund mitten hineinplatzen würde. Ich finde es einfach höflich, wenn Hundebesitzer vorher abklären, ob ein Zusammentreffen okay ist. Aber das ist offensichtlich manchmal Ansichtssache…

So geschah es also, dass ich vor ein paar Wochen mit Murdoch & Freya unterwegs war. Sie liefen an der Leine durch den Wald einträglich nebeneinander her. Ausgetobt waren sie schon und wir waren bereits auf dem Rückweg. Beide waren also energetisch ausgepowert und echt entspannt. Plötzlich kommt ca. 200m vor uns ein Australian Shepherd/Nochwas-Mix um die Ecke. Als er uns sieht, fixiert er uns und geht in geduckte Stellung. Hinter ihm kommt Frauchen, energischen Schrittes laut gestikulierend mit dem Handy am Ohr. Der Aussie-Mix, mit einer doch recht ordentlichen Größe, geht noch etwas tiefer runter und kommt fixierend auf uns zu. Seine Zeichen sind so eindeutig, dass es selbst mir nicht schwer fällt, eine gewisse Drohhaltung zu erkennen. Murdoch erblickt den Aussie und geht als Rüde natürlich zuerst in die Habacht-Stellung. Aufgerichtet, Schwanz nach oben, leise grummelnd. Immerhin hat er Frauchen und seine Püppi zu verteidigen. Püppi, ihres Zeichens selbsternannte Wach- und Sicherheitsbeauftragte des Rudels, stellt schon mal die Nackenhaare auf, um zu signalisieren, dass da was nicht in Ordnung ist. Ich lasse mich nicht beirren, gehe weiter geradeaus und nehme die beiden etwas kürzer. Merke: Je länger die Leine, desto mehr Gewicht, das dich mit Anlauf aus der Balance zerren kann. A(us)si-Frauchen hat uns auch bemerkt und gestikuliert laut keifend im Hintergrund. Ich habe eine Mütze auf und kann aufgrund des Windes nicht verstehen, was sie sagt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ihre Anweisungen mir galten. Ihren Hund haben sie auf jeden Fall nicht interessiert, denn der kam weiter bedrohlich auf uns zu. Als wir nur noch ein paar Meter voneinander entfernt waren, reichte es Murdoch. Das war eigentlich eine echt süße Aktion. Er lief neben mir und wurde immer unruhiger, stubste schließlich mehrfach eindringlich mit der Schnauze meine Hand, so dass ich mich dazu entschied, ihn los zu machen. Der andere war ja auch ohne Leine. Freya blieb erst mal angeleint, damit Murdoch die Sache in Ruhe klären konnte, ohne sich gleichzeitig um seine verrückte Freundin kümmern zu müssen. Inzwischen verstand ich auch, was Frauchen von mir wollte. Da war der Satz, in einem belehrenden Unterton:

„Hunde sollten sich immer ohne Leine begegnen! Machen sie ihre mal ab!“

Der selbsternannten Hundeexpertin war überhaupt nicht aufgefallen, mit welch einer dreisten und drohenden Körpersprache sich ihr Hund unserem Rudel genähert hatte. Leider hat sie auch keinen Gedanken daran verschwendet, dass mit den Hunden irgendetwas sein könnte. Oder dass die Dynamik in einem Rudel, das zusammen lebt, manchmal ein bißchen anders ist, als wenn man nur einen Hund hat. Das ist ihr sicherlich aufgrund mangelnder Erfahrung nicht bewusst gewesen. Aber mit welchem Recht sie anderen Menschen erzählen will, wie diese mit ihren Hunden umzugehen haben, ist mir nicht ganz klar. Wer dann im Endeffekt die zwei „Kampfhunde“ hat, die er nicht unter Kontrolle hat, weiß ich allerdings jetzt schon…

 

Der Wald gehört uns!

Nach einen wunderschönen Waldspaziergang trafen wir auf einer Wiese neben dem Parkplatz ein anderes Rudel mit zwei Menschen und vier oder fünf anderen Hunden. Die Hunde haben sich nett begrüßt und von Anfang an gut verstanden. Also gesellten wir uns ein paar Minuten dazu, bevor es zurück ins Auto gehen sollte. Die Hunde spielten und tobten noch einmal ausgelassen, als ein weiteres Auto parkte. Ich konnte glücklicherweise rechtzeitig reagieren und meine beiden zu mir rufen, bevor der Rest des Rudels entschied, dass man mal schauen müsste, wer da jetzt kommt. Das ältere Paar im Auto hatte keinen Hund dabei, aber offensichtlich wahnsinnige Angst vor Hunden. Da half die Umlagerung des Autos natürlich wenig. Der Mann im Auto regte sich auf und schnauzte durch die leicht angeklappte Tür die beiden Besitzer der Rasselbande an. Diese versuchten ihre Hunde zurückzurufen, regten sich aber gleichzeitig über das intolerante Paar im Auto auf. Und dann kam der Satz:

„Dann darf man nicht in den Wald fahren, wenn man keine Hunde treffen will!“

Also, jetzt mal ehrlich! Was soll das denn? Darf man als Nicht-Hundebesitzer nicht auch Freude an einem ungestörten Spaziergang durch die Natur haben? Muss man es wirklich tolerieren, wenn einem ungefragt Hunde ins Gesicht springen oder die Klamotten dreckig machen? Ich meine, klar, wir regen uns alle auf über die Leute, die zum Picknick in den Wald oder zum Grillen an den See fahren und danach zu entkräftet sind, ihren Müll wieder mitzunehmen. Oder über die Asis, die Scherben, Zigarettenkippen und sonstigen Dreck um die Parkbänke verteilen. Aber ist das gleich ein Grund, aus Prinzip alle aus der Natur vertreiben zu wollen, die keinen Hund haben? Was macht dann der Förster? Der ist so nett und akzeptiert uns in seinem Wald, obwohl er sicherlich hin und wieder mit wildernden Hunden oder ihren Hinterlassenschaften zu kämpfen hat. Ich finde, auch hier wäre ein bißchen mehr Verständnis und Rücksichtnahme gefragt. Lasst uns als positives Beispiel voran gehen. Die eigene Freiheit geht immer nur soweit, wo die Grenze des anderen anfängt. Wenn jeder freundlich und rücksichtsvoll bleibt, haben wir alle eine bessere Zeit!

 

Nicht gleich von sich auf andere schließen!

Hier ist eins der Hauptprobleme, mit dem sich bestimmt jeder, der einen großen oder bulligen Hund hat, schon einmal konfrontiert gesehen hat. Das teilweise unausgesprochene Vorurteil der Kleinhundebesitzer, dass man einen potentiell aggressiven Hund an der Leine hat, der jeden Moment den eigenen kleinen Schatz in Stücke reißen könnte. Ich kann das verstehen. Absolut! Auch ich habe vor manchen Hunden großen Respekt und gehe lieber etwas vorsichtiger vor. Dennoch ist es wichtig, in einem Zusammentreffen mit anderen Hunden souverän zu entscheiden, was geschehen soll. Ich persönlich bin ja nun recht zierlich gebaut und habe zwei Klopse an der Leine, die zusammen fast doppelt so viel wiegen wie ich. Ich verstehe, dass man sich da fragt, ob das klappt. Aber man muss auch nicht immer gleich von sich selbst auf andere schließen. Nur, weil man es sich selbst nicht zutrauen würde, mit einem (oder zwei) so großen Hunden Gassi zu gehen, heißt das nicht, dass auch der Rest der Menschheit dazu nicht in der Lage ist. Glaubt man das, provoziert man schon fast den Schreckmoment herauf, den man sich in den wildesten Vorstellungen ausgemalt hat. Die Anspannung überträgt sich auf den eigenen Hund, der wird alarmiert und geht in Verteidigungs- oder Angriffshaltung – natürlich läuft er dabei vor dem Menschen um ihn zu schützen. Ist man dann auf derselben Höhe, kommt meist die Attacke seitens der Kleinen. Meine beiden regt das nur mittelmäßig auf, weil ich einfach stur gerade aus gehe, kurz freundlich grüße und von dannen ziehe. Ich lasse bei den beiden einfach keine Widerworte zu. Wenn aber beide ihre Hunde in Beschützerpose vor sich laufen haben, kann das am Ende ganz anders aussehen. Statt dessen sollten einfach beide ihre Hunde kürzer und damit die Führung übernehmen. Dann läuft meist alles entspannt ab. Wenn man mag kann man dann auch mit ein bißchen Abstand zueinander stehen bleiben und sich kurz absprechen, ob ein Treffen okay ist. So stellt man als Mensch den Kontakt her und die Situation ist wesentlich entspannter. Meine beiden sind zum Beispiel überaus respektvoll und nett zu kleinen Hunden. Murdoch übernimmt sogar sofort die Rolle des Sherrif und schlichtet kleine Streitigkeiten oder Spannungen.

Es ist wichtig, dass wir mehr Verantwortung übernehmen, wenn wir mit unserem Hund unterwegs sind. Es geht nicht nur um die Sicherheit des eigenen Rudels, sondern auch um die aller anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Wir wollen mit unserem Hund die Freizeit in der Natur und eine schöne Zeit verleben. Genauso möchten das aber auch andere Menschen und dabei sollte jeder seine persönliche Freiheit genießen dürfen. Dann können wir alle entspannen und Spaß haben – jeder auf seine Weise oder zusammen. Wie es gerade passt!


Hast du auch schon eine Geschichte erlebt, die du mit uns teilen möchtest? Wir freuen uns auf deine Meinung und dein Feedback im Kommentarfeld. Wenn du mehr von uns lesen möchtest, dann lade dir unser kostenloses eBook „In 5 Schritten zum Hundeflüsterer“ herunter. Findest du gut, was wir schreiben? Dann komm in unser Rudel und folge uns auf Facebook und Instagram, oder abonniere am besten gleich unseren Newsletter (im grünen Kasten links oben). Wir freuen uns auf dein Feedback, deine Anregungen, Erfahrungen und Geschichten. Willkommen im Rudel!