Dass Hunde ein Spiegel unserer Seele sind, haben die meisten sicherlich schon einmal gehört. Wie viel man aber tatsächlich von seinem Hund für sein eigenes Leben lernen kann, damit wollen wir uns heute beschäftigen. Eigentlich ist es mehr so etwas wie eine Hommage an die Hunde, die mich bislang in meinem Leben begleitet haben. Alles also sehr subjektiv, aber denk mal über deine persönlichen Erfahrungen nach.

Wie ich in dem Bereich Über uns schon erwähnt habe, hatte ich bis zu meinem 12. Lebensjahr schreckliche Angst vor Hunden. Wenn ich einen sah, wechselte ich panisch die Straßenseite und meine Mutter kann sich bestimmt noch gut an das Theater erinnern. Auslöser war ein, im Nachhinein harmloses, Aufeinandertreffen mit einen Jack Russel Terrier. Ich war ca. 4 Jahre alt und spielte allein im Innenhof unseres Wohnhauses, als der Hund aus einem Nachbarhaus geschossen kam. Er freute sich, mich zu sehen und sprang laut kläffend an mir hoch. Das war mein erster direkter Kontakt mit Hunden, an den ich mich erinnern kann. Da ich noch klein war, ging mir der Hund bis zu den Knien, eine solche Begrüßung war ich nicht gewohnt und ich hatte Null mit ihm gerechnet. Dementsprechend tief saß der Schreck, der zu einer Angst wurde, die mich jahrelang begleitetete. An dieser Stelle sei mir noch ein leicht abwertender Blick in Richtung des Halters erlaubt.

Aber dann kam mit 12 Jahren ein Welpe in mein Leben…

Sandor / Cocker Spaniel

Im Urlaub mit meinen Eltern und zwei befreundeten Familien in Ungarn, wurde ein Pärchen in Budapest auf einen Straßenstand mit Hundewelpen aufmerksam. Nicht der ideale Ort, um einen Welpen zu kaufen, aber das nur mal an Rande erwähnt. Die beiden kauften also den 8 Wochen alten Sandor und wir nahmen ihn mit zurück in unser Ferienhaus. Alle waren begeistert von dem kleinen Wurm. Abends wollten die Erwachsenen zum Abschiedsessen gehen und da ich die Älteste von den Kindern war, wurde ich zum Dogsitting auserwählt. Ich hatte nichts dagegen, denn der Kleine war zuckersüß.

Aus dieser einen Nacht wuchs eine Freundschaft zwischen mir und Sandor, die über 7 Jahre hielt. Fast jeden Tag holte ich ihn Nachmittags zu einer Gassirunde ab und wir gingen in den nahegelegenen Stadtpark. Dabei vergaß ich recht schnell die Angst vor Hunden, denn bei Hundebegegnungen hmusste ich nun schließlich auf Sandor aufpassen. So lernte ich rasch einige Unterschiede in der Kommunikation von Hunden, welche man lieber meiden sollte und mit welchen Sandor spielen durfte. Ich lernte auch, mich durchzusetzen, denn ab einem gewissen Alter war der Rüde der Meinung, lieber mal seinem eigenen Kopf zu folgen. Ein paar Mal ist er mir abgehauen oder hat sonstwie nicht gehört. Aber in den 7 Jahren entwickelten wir uns zu einem tollen Team. Ihm habe ich zu verdanken, dass ich meine Angst durch Verstehen ablegen konnte.

Sandor war auch beim Beginn meiner kleiner Punker-Laufbahn dabei. Ihm hat es nichts ausgemacht, Hauptsache wir waren zusammen unterwegs. Ein nachträgliches Sorry an die ehemaligen Besitzer von Sandor. Ich glaube, das war gerade so etwas wie ein Geständnis! 😉

Herr Dr. Schröder
Labrador, Dobermann, Schäferhund, Dogge – Mix

Mein Schrödi… Man sagt ja, der erste eigene Hund wird immer eine besondere Stelle im Herzen haben. Dem kann ich nur zustimmen. Ich war noch relativ frisch von Zuhause weg und nach Düsseldorf zum Studium gezogen. Naja, vielleicht eher Studium des Lebens, aber das tut nichts zur Sache. Da kam Herr Dr. Pogo Schröder von Kreuzberg zu Flingern. Die Geschichte zu dem Namen ist ähnlich lang wie der Name selbst. Das möchte ich uns hier ersparen. Ich hatte Schrödi ursprünglich gemeinsam mit meinem Mitbewohner geholt, aber der verlor relativ schnell das Interesse an dem Hund, als er größer wurde und nicht mehr so niedlich aussah. Ich übernahm also die komplette Verantwortung für ihn. Und das war in meinem recht chaotischen Alltag manchmal gar nicht so einfach.

Schrödi hat mir ein paar der größten Lektionen gelehrt, die es meiner Meinung nach im Leben gibt. Und er hat mich zu Dingen gezwungen, die einfach nur gut für mich waren. Die Sache mit der Ordnung zum Beispiel: Vor ihm war fast nichts sicher! Wenn ich zu Hause war, war alles in Ordnung. Sobald ich aber ohne ihn das Haus verließ ging es rund. Er konnte es sowieso nicht leiden, allein zu Hause zu sein. Alles, was rumlag wurde zerstört, bevorzugt Fernbedienungen (7 Stück im Laufe seines Lebens). Der Knaller war ein komplettes Paket Zucker, das er  aus dem Schrank geholt und auf dem Teppich aufgeleckt hatte. Auf der Hundewiese stand ich dann ca. 30 Minuten, während Schrödi wild bellend im Kreis um mich rumrannte. Ganz zu schweigen von meinem Weihnachtsvorrat an Schokolade, der auf meinem Bett verteilt und breitgelegen wurde. Dabei ist Schokolade ja giftig für Hunde. Er schien immun zu sein.

Ich habe mit Schröder fast 12 Jahre lang mein Leben geteilt. In meiner Zeit als Tourneemanager begleitete er mich durch ganz Deutschland und als wir später aufs Dorf ziehen genossen wir endlose Spaziergänge und das entspannte Landleben. Ihn gehen zu lassen, fiel mir nicht leicht, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Er hat mir gezeigt, was es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Denn in meiner Studentenzeit in Düsseldorf war in meinem Leben eigentlich nur eine Konstante: Schrödi! Vielleicht kann man ihn als eine Art Anker beschreiben, der mich zumindest halbwegs in Balance hielt.

Ja, das isse wieder am Heulen…

Murdoch
Labrador, Dalmatiner, Schäferhund, Rhodesian Ridgeback – Mix

Nach Schrödi konnte ich nicht lange warten. Ohne einen Hund an meiner Seite fühlte ich mich wie ein halber Mensch. Ich war zu nichts in der Lage und starrte wochenlang fast ausschließlich auf das leere Hundebett unter dem Glastisch. Da mussten wieder Pfoten her. Es sollte eine wilde Vierermischung werden, so wie bei Schrödi. Im Nachhinein hört sich das vielleicht so an, als wollte ich ihn ersetzen. Ich sehe es eher als Hommage…

Da Murdoch als Welpe zu uns kam, fiel mir die Umstellung erst mal ganz schön schwer. So ein junger Fratz, der durch die Gegend holpert und alles entdecken will, bei dem man noch nicht das jahrelange Vertrauen und die Verständigung aufgebaut hat – das war ganz schön heftig. Noch dazu kommt bei ihm der sture Ridgeback durch, was die Kommunikation mit ihm sehr feinfühlig macht. Kann man ihm für ein bestimmtes Kommando keinen Grund liefern, macht er das vielleicht, aber man sinkt auch direkt im Ansehen als Rudelchef. Irgendwelche Sachen mit Druck durchsetzen zu wollen, ist absolut sinnlos. Kann man ihn motivieren ist er mit Feuereifer dabei. Da ich sowieso bereits eine aufkeimende Begeisterung für Hundesprache hatte, war er hier mein bester Lehrmeister.

Murdoch hat mir viel über Rudelchefs begebracht. Wir haben oft Hunde bei uns zu Gast und es ist noch nicht einmal vorgekommen, dass es territoriale Auseinandersetzungen gab. Weder beim Fressen, noch Schlafplätze oder sonstige Ressourcen. Er ist dabei ein sehr gerechter Chef und Gastgeber, auch wenn manchmal aus menschlicher Sicht Egoismus dazu kommt. Seit Freya hier ist beobachte ich z.B. häufig Spiele um Ressourcen. Gestern Abend gab es ein Stofftier zum Zerfetzen, dass ich auf einem Flohmarkt gekauft hatte. Gleichzeitig hatte ich noch ein geknotetes Tau, weil ich ja wusste, dass automatisch er das Kuscheltier für sich beanspruchen würde. Er seziert sie einfach viel zu gern. Murdoch fetzte also wild kopfschüttelnd mit dem Kuscheltier ab und ich steckte Freya das Tau zu. Dann überließ ich die beiden ihrem Schicksal. Wenig später laufe ich am Körbchen vorbei, in dem Murdoch mit beiden Spielzeugen lag und den Hasen auseinander nahm. Freya lag davor und schaute sehnsüchtig zu. Jeden Versuch von ihr, sich das Tau zu holen, quittierte er mit einem wütenden Knurren. Ich merkte noch an, was für ein schrecklicher Egoist er ist, sammelte ein paar Wollflusen ein und ging ins Büro. Vielleicht 15 Minuten später bemerkte ich Fell hinter meinem Bürostuhl. Ich drehte mich um und sah Murdoch, der es sich gemütlich gemacht hatte. Freya lag im Bett und kaute freudig auf dem Kuscheltier rum. Er hatte es ihr also überlassen, aber erst nachdem er damit fertig war. Netter Typ… Aber so klärt man auf freundliche Art die Rangfolge.

Freya (Püppi) / Cane Corso

So, die Püppi… Die ist ein absoluter Fall für sich. Sie ist zum jetzigen Zeitpunkt erst 4 Monate bei uns und ich bin mal gespannt, was da noch kommt. In der kurzen Zeit hat sie mir aber bereits so viel beigebracht, dass man sie durchaus hier erwähnen kann. Ich muss dazu sagen, ich bin normalerweise kein großer Molosser- oder Bulldoggen-Fan. Ich hatte auch bisher keine Erfahrungen mit solchen Rassen, habe mich aber natürlich ausführlich belesen und das klang reizvoll. So ein bißchen wusste ich also schon, was auf mich zukommt.

Die ersten Wochen waren anstrengend. Freya prüfte sehr genau, wer welche Position im Rudel hatte und wo sie stand. Und sie regaierte sehr feinfühlig auf Stimmungen. Bei der geringsten Unruhe im eigenen Auftreten (z.B. Ungeduldig oder sauer werden), war bei ihr Schicht im Schacht. Sie stellte einfach auf stur und reagierte mit Gegendruck. Da man mit knapp 50 kg Körpergewicht nur wenig gegen eine 40kg schwere Molosserhündin ausrichten kann, musste ich also meine Feinfühligkeit in der Körpersprache verbessern. Eine solche Rasse ist auf jeden Fall der Typ, bei dem man sich selbst extrem im Griff haben muss, um anständig mit dem Hund umgehen zu können. Aber Freya hat einfach ein absolut sanftes Gemüt, dass sie meist unter einer harten Schale versteckt. Sie zwingt einen immer wieder, sich selbst zu reflektieren. Dadurch lernt man sich sehr gut selber kennen. Das ist nicht immer schön, macht einen auf Dauer aber stärker im Charakter.

So, dann sind wir für´s Erste durch. Ich könnte hier noch über andere Hunde aus unserem Umfeld schreiben, aber ich will ja hier keinen zutexten… 😉

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst.

Viel mehr interessiert mich, ob ihr auch Dinge habt, die ihr einem ganz besonderen Hund zu verdanken habt. Wir freuen uns auf eure Geschichten und Fotos mit euren Vierbeinern. Hinterlasst einen Kommentar oder folgt uns bei Facebook oder Instagram. Wir haben noch Platz im Rudel!