Stell dir folgendes vor: Du sitzt mit deiner Familie in einem gemütlichen Café und ihr entspannt ein wenig nach einem Bummel durch den Park. Plötzlich öffnet sich die Tür, ein Fremder kommt herein, schaut dich an, fängt an zu kreischen und stürzt auf dich zu, um dir aufgeregt das Gesicht zu tätscheln und „Du bist aber ein Feiiiiiner!“ zu quietschen. Jetzt haben wir nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder? Hier ein paar Tipps, wie du Hunde freundlich und respektvoll begrüßt. Die sind übrigens auch hilfreich für Menschen, die Angst vor Hunden haben.

Tagtäglich werden tausende Hunde auf genau diese Art und Weise von wildfremden Menschen begrüßt. Und es wird von ihnen erwartet, dass sie es freundlich und entspannt hinnehmen. Wie würdest du reagieren, wenn du auf so eine Art und Weise von einem Fremden angesprochen wirst? Da muss man ja zwangsläufig eine Neurose bekommen…

Wie begrüßen sich Hunde untereinander?

Es gibt viele verschiedene Ausdrucksarten und Begrüßungselemente unter Hunden, auf die wir demnächst noch detailliert eingehen. Heute schauen wir uns an, wie eine freundliche und entspannte Begrüßung aussieht, die auch wir Menschen relativ leicht umsetzen können. Stellen wir uns dazu die oben beschriebene Form der Begrüßung noch einmal in Hundesprache vor.

Hund 1 liegt unter dem Tisch bei seinem Frauchen (oder Herrchen, wir ziehen dieses INNEN-Spiel hier nicht die ganze Zeit durch) unter dem Tisch und döst vor sich hin. Frauchen trinkt, sagen wir, einen Cappuccino. Hund 2 betritt hinter seinem Herrchen das Café, schaut sich um und entdeckt den anderen Hund. Hund 1 hat in der Zwischenzeit dank seiner Nase schon mitbekommen, wer das Lokal betreten hat. Das kann der, dazu muss er ihm nicht direkt im Gesicht kleben. Hund 2 kommt hinter seinem Herrchen auf den Tisch von Hund 1 zu, macht aber kurz vor dem Zusammentreffen einen leichten Bogen, damit das Treffen nicht als Angriff missverstanden wird. Schon vorher hat Hund 2 dem anderen zu verstehen gegeben, dass er ihm nichts Böses will. Das tut er, indem er die Rute entspannt hält, den Kopf leicht senkt und Hund 1 nicht direkt anstarrt oder fixiert. Häufig lecken sich Hunde auch die Lippen, um Friedfertigkeit zu demonstrieren. Beim Zusammentreffen lässt man sich vom anderen Beschnüffeln, ohne dabei etwas zu sagen. Dann geht man entspannt weiter. Kein Gequietsche oder Gekreische…

Hier noch mal kurz zusammen gefasst:

  • Hunde bewegen sich entspannt aufeinander zu (entspannte Rute, kein steifer Gang)
  • kein Anstarren oder Fixieren
  • laufen einen kleinen Bogen zur Deeskalation
  • lecken sich die Lippen um Demut zu zeigen
  • freundliches Beschnüffeln (oft auch mit Umkreisen)
  • weiterlaufen

Wie begrüße ich Hunde, die ich nicht kenne?

Wie sieht das also für uns aus? Besagter Hund liegt wieder unter dem Tisch. Diesmal ist er mit Herrchen da und der trinkt einen Espresso. Du kommst rein! Du bewegst dich auf den Tisch der beiden zu und läufst dabei entspannt, ohne den Hund anzuschauen. Entspannt laufen würde heißen, du machst dich nicht groß (und den Hund verunsichert), aber auch nicht klein (und zeigst damit deinen niedrigen Rang). Einfach aufrecht, selbstbewusst und locker. Mach kurz vor dem Tisch einen Bogen oder nähere dich leicht seitlich. Wenn du mit Herrchen sprechen willst, nähere dich am besten von der Seite, auf der der Hund nicht liegt. Dann warte und lass den Hund kommen, wenn er dich näher beschnüffeln möchte. Bevor du den Hund streichelst, ist es immer am besten, wenn man fragt, ob das okay ist. Auch wenn wir selber Hundefreunde sind und vielleicht sogar Hunde haben, kann man nie wissen, wie der Hund drauf ist.

Hier noch mal kurz zusammen gefasst:

  • entspannt auf den Hund zu bewegen, aufrechter Gang
  • Hund nicht anstarren oder fixieren
  • kleinen Bogen laufen und Mensch von der dem Hund abgewandten Seite ansprechen
  • Hund kommen lassen
  • sich beschnüffeln lassen
  • erst auf Nachfrage beim Besitzer näheren Kontakt mit Hund aufnehmen

Tipps für Menschen mit Angst vor Hunden

Man mag es kaum glauben, aber da spreche sogar ich aus Erfahrung! Ich hatte bis zu meinem 13. Lebensjahr Angst vor Hunden, weil ich als kleines Kind mal von einem Jack Russel Terrier angesprungen worden bin. Beeindruckend, oder?

Wenn man Angst vor Hunden hat, neigt man dazu, genau ALLES falsch zu machen! Durch das aufgeregte und vielleicht sogar panische Verhalten machst du den Hund erst recht auf dich aufmerksam. Manche Leute raten einem, sich so zu verhalten, als hätte man keine Angst. „Die können das riechen!“ Na, wunderbar! Was ist das denn für eine Aussage? Okay, sie stimmt, aber das hilft wohl in der Situation nicht unbedingt weiter. Häufig starrt man den Hund die ganze Zeit über an und signalisiert ihm damit genau das Gegenteil von dem, was man möchte. Nämlich den Wunsch nach a) Kontaktaufnahme oder b) Konflikt. Bei unsicheren Hunden kann das schnell zu einem scheinbar aggressiven Verhalten führen.

Am besten ist wirklich: „Ruhig Blut!“ Mach den Hundebesitzer schon von einiger Entfernung darauf aufmerksam, dass du Angst vor Hunden hast und bitte ihn, den Hund anzuleinen. Mach das mit einer ruhigen, festen Stimme. Lass dich nicht verunsichern, wenn der Hundehalter sagt, dass seiner ganz lieb ist. Bestehe ruhig und gefasst darauf und lass dich wegen deiner Angst nicht einschüchtern. Sollte der Hund auf dich zukommen, bleib stehen und stelle dir einen Kreis um dich herum vor, der DEINE persönliche Grenze ist. Lass dich nicht von dem Hund rückwärts drängen, behaupte deinen Platz. Wenn der Hund an dir hoch springt, gebe ihm einen leichten Stoß von dir weg und bleibe stehen. Normale Hunde greifen nicht einfach so an. Manche sind ein wenig übermütig bei der Begrüßung von Menschen, aber die meisten lassen sich von einem Verhalteen wie oben beeindrucken und werden auch ihre eigene Energie herunter fahren.

Hier noch einmal zusammen gefasst:

  • mache Besitzer auf deine Angst aufmerksam und bitte ihn, den Hund anzuleinen
  • sprich mit ruhiger, fester Stimme
  • Stelle dir einen Kreis als Grenze um dich herum vor
  • Lass dich nicht zurück drängen
  • springt der Hund hoch, leichten Stoß weg versetzen
  • ruhig stehen bleiben und seinen Platz behaupten
  • warte bis der Hund sich beruhigt hat

Meine Hundephobie ist von einem kleinen ungarischen Cocker Spaniel namens Sandor geheilt worden, den Bekannte meiner Eltern sich gekauft hatten. 10 Jahre lang bin ich täglich Gassi mit ihm Gassi gegangen und wir hatten viele tolle Hundebegegnungen. Das war mein kleiner Kumpel und wir hatten so viel Spaß… Wenn man wirklich an der Phobie arbeiten möchte und Hunde besser verstehen lernen möchte, kann man mit Sicherheit auch mal in der örtlichen Hundeschule nachfragen, ob sie dort ein paar Tipps oder Angebote haben.

Was alle Hunde gut finden würden

Ich bin mir sicher, dass alle Hunde es lieben würden, von uns Menschen respektvoll begrüßt zu werden. Dann wäre ein entspannterer Umgang zwischen Mensch und Hund möglich und es würde nicht mehr so viele Leute geben, bei denen besonders kleine Hunde als biestig und aggressiv gelten würden. Denn wenn wir mal ehrlich sind, haben die kleinen Vierbeiner am meisten unter quietschenden und kreischenden Begegnungen zu leiden.

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