Das klingt immer so einfach mit dem Belohnen, aber gerade hier kann man viel falsch machen. Hund macht was gut, Leckerchen rein, fertig? Weit gefehlt, denn wenn man nicht aufpasst kann einiges daneben gehen. Bei richtigem Loben lernt der Hund schneller, effektiver und vor allem wirklich das was er lernen soll. Wie das geht verraten wir dir heute.

Punktgenaues Timing

Das Timing ist das häufigste Problem bei Hundehaltern und eigentlich das Wichtigste, wenn es um die Erziehung des Hundes geht. Dadurch, dass ein Hund immer im Moment lebt, kann er ein zu spät gesetztes „Fein“ oder „Toll“ oft nicht mehr oder nur noch falsch verknüpfen. Und das macht den Lernprozess um einiges schwieriger. Es ist deshalb wichtig, dass auch du beim Training immer voll dabei bist und durch nichts abgelenkt. Konzentriere dich ganz auf deinen Hund und euer Training. Die Belohnung sollte ca. eine Sekunde nach dem erfolgreich ausgeführten Signal kommen. Sonst kann es vorkommen, dass dein Hund denkt, er wird für das Aufstehen nach dem „Sitz“ (das du eigentlich wolltest) belohnt.

Stimmlage und Körpersprache

Was genau du sagst ist deinem Hund eigentlich völlig egal. Er kann nicht viel mit Worten anfangen, außer es handelt sich um seine Lieblingsworte. Das sind meist Signalworte, die Spaß versprechen, z.B. „Leckerchen“, „Gassi“ oder auch das buchstabierte G-A-S-S-I. Aber deine Stimmlage und die Körpersprache kann er sehr wohl deuten. Okay, es ist manchmal etwas schwierig, ruhig und freundlich zu bleiben, wenn der Vierbeiner die Ohren auf Durchzug gestellt hat oder dickköpfig sein eigenes Ding durchzieht. Dann noch ein ehrlich gemeintes „Fein“ hinzubekommen, ist schon fast eine Aufgabe für Profis. Ich zähle immer langsam von fünf runter und versuche, kurz runter zu kommen. Dann bekommt man auch schnell wieder den Umgangston hin, der in einem Team herrschen sollte. Stelle sicher, dass du es ernst meinst, wenn du deinen Hund lobst.

Dauerndes Lob macht taub

Das ist wie bei uns Menschen – wenn einem dauernd jemand für jede Kleinigkeit ein riesiges Lob ausspricht, fühlt man sich irgendwann gelangweilt und nicht ernst genommen. Genauso ist es bei unseren Hunden. Klar sollte man bei einem Welpen oder neuen Hund im Haus alles Gute ausführlich loben und das „Feiiin!“ am besten tanzen, aber bei erwachsenen Hunden ist das übertrieben. Weniger ist mehr! Setze nach einer gewissen Zeit Dinge einfach voraus. Ihr habt das lang genug geübt. Dann reicht auch mal zwischendurch ein überraschendes „Fein gemacht!“ mit ruhiger Stimme. Bei neuen Übungen kann man das Lob dann wieder verstärkt einsetzen und der Hund freut sich, weil es nichts Alltägliches ist.

Jackpot und Überraschungen

Training und Üben sind für den Hund wie ein Spiel oder Abenteuer, wenn man es richtig gestaltet. Finde heraus, was dein Hund am liebsten mag und was ihn am meisten motiviert. Dann macht das Training euch beiden Spaß und es stellen sich schneller Erfolge ein. Hunde bevorzugen Überraschungen gegenüber trister Routine. Die Belohnung sollte deshalb immer mal unterschiedlich ausfallen: mal „Fein!“, mal ein kurzes Spiel oder eine Streicheleinheit und unterschiedlich heiß begehrte Leckerchen. Besonders gut ausgeführte Aufgaben kann man dann besonders belohnen, z.B. mit einem Stück Käse. Dann macht man weiter und es gibt z.B. nur ein stimmliches Lob.

Keine halben Sachen

Manche Hunde versuchen zu schlampen, wenn es um die Ausführung von Anweisungen geht. Da wird aus dem „Sitz“ mal eben ein „Platz“ oder ähnliches. Man kann ja mal schauen, wie weit man mit schluderiger Arbeit kommt. Es bleibt jetzt jedem selbst überlassen, ob er da ein Auge zudrückt oder doch nachfordert. Es kommt auch immer auf die Situation an, aber z.B. bei einem Hund im Rüpelalter kann das schon der erste Schritt zu weiteren Entscheidungen sein, die er alleine trifft und wo deine Meinung noch nicht mal konsultiert wird. Ein schlampig ausgeführtes Signal sollte deshalb nicht belohnt werden. Entweder legt man eine kurze Pause ein und versucht es dann erneut oder man wartet einfach, bis der Hund die gewünschte Reaktion zeigt. Wenn der Hund z.B. liegt, obwohl er Sitz machen sollte, kann man ruhig und entspannt einen Schritt auf den Hund zugehen, um sich noch mal etwas nachdrücklicher auszudrücken. Meist gehen sie dann ins Sitz und man hat, was man wollte. Ohne das Kommando zu wiederholen und dabei immer lauter und ärgerlicher zu werden.

Ohne Signal keine Belohnung

Das ist eine harte Regel, denn sie zieht sich durch das komplette Zusammenleben mit deinem Hund, sogar bis hin zur Couch! Schrecklich! Also, manche Hunde sind einfach manchmal übermotiviert oder haben schon so gut gelernt, dich zu lesen, dass sie die Tricks ganz genau raus haben. Der fragende Blick, ob er mit auf die Couch oder ins Bett darf. Ein mitleiderregender Blick und es gibt ein Leckerchen oder beim Spaziergang heran kommen und die Hand anstubsen. Das sind Aufforderungen und Wünsche des Hundes, die wir als Mensch nicht immer so zuverlässig erfüllen sollten. Gib ihm alternativ zuerst eine Aufgabe und belohne ihn dann. Man kann es aber auch einfach ignorieren und weiter laufen.

Eine kleine Geschichte von meinem ersten eigenen Hund Herr Dr. Schöder: Er fuhr wie wahnsinnig auf Mohrrüben ab, am besten als Ganzes. Bei „Schrödi, willst du Möhrchen?“ sprang er schon auf und ließ mich nicht mehr aus den Augen, bis ich die Möhre in der Hand hatte. Jedes Kommando wie „Sitz“ oder „Pfötchen“ verpuffte völlig, er spulte gleich sein komplettes Programm ab und endete dramatisch mit einem „Peng!“ und stellte sich tot. Das war der Brüller auf jeder Party, das kann ich sagen… Hat aber funktioniert, die Möhre gab es sofort!

Nach der Belohnung kommt die Freigabe

Entscheidet dein Hund nach der Belohung von alleine, wann die Aufgabe beendet ist? Bei uns hat es sich gerade wieder ein bißchen eingeschlichen. Murdoch will schon mal weiter, während Freya noch ihr Leckerchen aus den Lefzen puhlt. Deshalb solltest du ein Signal einführen, mit dem du den Hund wieder freigeben kannst, also dass er wieder laufen darf. Für den Ernstfall sollte dein Hund nicht einfach wieder losspurten, wenn er die Belohnung abkassiert hat. Ein „Okay, lauf“ oder „Weiter geht´s“ reicht hier schon. Du wirst sehen, du bekommst viel mehr Aufmerksamkeit beim Training mit deinem Hund.

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