Bei Begegnungen von verschiedenen Hunden kann man die Körper- und Hundesprache am besten beobachten und verstehen lernen. Obwohl für den Hund die richtige Sozialisation so wichtig ist, haben viele Hundebesitzer Angst vor dem Aufeinandertreffen zweier Hunde oder sind zumindest verunsichert. Aus Angst vor einer möglichen Auseinandersetzung probieren sie es lieber gar nicht erst aus. Dabei lässt sich mit ein bißchen Beobachtungsgabe schnell erkennen, in welcher Stimmung sich die Vierbeiner befinden. Ein paar einfache Erkennungssignale geben wir dir heute mit an die Leine.

Um einen Spaziergang mit deinem Hund und das Aufeinandertreffen mit Artgenossen so entspannt und positiv wie möglich zu gestalten, solltest du schon bevor ihr überhaupt vor die Tür tretet in einem entspannten und selbstsicheren Zustand sein. Dein Hund nimmt deine Energie auf und reflektiert sie. Bist du also angespannt, weil dir absolute Horrorszenarien durch den Kopf gehen, überträgt sich diese irrationale Unruhe auf deinen Hund. Der hat keine Ahnung, warum so ein Alarmzustand ist und fängt möglicherweise an, pauschal erst mal alles zu verbellen. Auf jeden Fall wird auch er unsicher und nimmt eine gehörige Ladung Streßhormone mit auf die Gassirunde.

Manche Menschen reagieren besorgt, wenn ihnen ein anderer Hund entgegen kommt, weil sie die Körpersprache und damit die Absichten des Tieres nicht einschätzen können. Dieser Blog ist auch gut für Menschen mit Angst vor Hunden. Wir erklären heute drei einfache emotionale Stadien des Hundes, die es dir vereinfachen sollen, deinen und andere Hunde richtig zu deuten.

Anzeichen für einen erregten / dominanten Hund

Im Allgemeinen kann man sagen, dass ein dominanter Hund (der seinen Rang eventuell auch beweisen möchte) sich bei einem Treffen von Artgenossen meist groß macht. Mit aufgerichtetem Schwanz, aufgestellten Ohren und starrem Blick stakst er relativ steif auf den anderen Hund zu. Er möchte so vermitteln, dass er sich als das ranghöhere Wesen betrachtet. Wenn beide Hunde so steif und angespannt miteinander agieren und keiner der beiden durch beschwichtigende Signale die Position des anderen anerkennt, kann es zu einem Angriff oder einer Auseinandersetzung kommen.

Allerdings sind auch Zustände der Aufregung mit teilweise ähnlichen Anzeichen verbunden. Aufgestelltes Nackenfell bedeutet zum Beispiel nicht automatisch, dass der Hund aggressiv ist. Er befindet sich lediglich in einem erregten Zustand. Das muss nicht unbedingt in einer aggressiven Auseinandersetzung enden. Dennoch sollte man in solchen Situationen genau beobachten und gegebenenfalls seinem Bauchgefühl trauen und das Treffen beenden, bevor die Stimmung kippt. So kann man die Situation positiv beenden und die beiden werden sich beim nächsten Mal sicherlich etwas entspannter begegnen, weil sie ja keine negativen Erfahrungen miteinander gemacht haben.

Folgende Zeichen zeigen Erregung bzw. Dominanz an:

  • aufgerichteter, „großer“ Körper, vorwärts gelehnt
  • steifer Gang oder Stehenbleiben (wie eingefroren)
  • der Schwanz ist steil aufgerichtet und steif, möglicherweise wedelt er ein wenig
  • aufgestelltes Nackenfell
  • intensiver Augenkontakt und Fixieren, Augenbrauen zusammen gekniffen
  • geschlossener Mund, angespannte Lippen, eventuelles Knurren

Das übermäßige Schwanzwedeln, das viele von uns als Freude interpretieren, ist übrigens auch ein Zeichen von Aufregung und kann ebenfalls in unerwünschtes Verhalten umschlagen, wenn der Hund in seiner Erregung bestärkt wird (z.B. durch begeistert quietschende Geräusche bei der Begrüßung). Wenn seine Bewegungen immer hektischer werden, er hochspringt und aufgeregt (in Richtung Gesicht/Mund) schnappt, sollte man unbedingt einen kurzen Moment der Ruhe in das Treffen bringen. Sonst kann es zu versehentlichen Verletzungen oder Unfällen kommen.

Anzeichen für einen ängstlichen / gestressten Hund

Genauso wie man bei einem besonders dominanten Hund aufpassen muss, sollte auch die Situation mit einem übertrieben ängstlichen und unterwürfigen Hund nicht unterschätzt werden. Angst und Streß sind einer der häufigsten Auslöser für Angriffe seitens des Hundes. Je gestresster er in der Situation ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass seine Angst in Aggression umschlägt und er nach dem Grundsatz „Angriff ist die beste Verteidigung“ entscheidet.

Gerade das Erkennen von Streßsituationen beim Hund und das verantwortliche Handeln, kann einen großen Unterschied in der Beziehung zu deinem Hund haben. Fühlt sich ein Hund in einer Situation nicht wohl, liegt es an dir als Rudelführer, ihn sozusagen wieder in Sicherheit zu bringen. Bei Hundetreffen kann die Lösung zu sein, einfach weiter seines eigenen Weges zu gehen. Manche Hunde sind aber auch schon dadurch gestresst, dass sie nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Hier hilft es oft, klare Anweisungen zu geben. Das vermittelt dem Hund das Gefühl, dass du die Lage unter Kontrolle hast und er sich nicht kümmern braucht.

An folgenden Signalen kannst du erkennen, dass dein Hund Streß hat:

  • gekrümmte Körperhaltung, Versuch sich klein zu machen
  • das Hinterteil ist nach unten und der Schwanz zwischen die Beine geklemmt
  • gesenkter Kopf, zurückgelegte Ohren
  • man sieht das Weiße in den Augen
  • Mund geschlossen, Lippen angespannt nach hinten gezogen, abgespreizte Barthaare
  • Lippen lecken
  • Blick abwenden
  • stark hecheln (obwohl es nicht heiß ist)

Es gibt noch ein paar weitere Verhaltensweisen des Hundes, die ein Zeichen von Streß bzw. Streßabbau sein können, z.B. gähnen, sich schütteln, winseln, den Boden schnüffeln oder urinieren. Analysiere die Situationen, in denen dein Hund auffällig Streßsignale zeigt und entwickle Ideen, sie im Training abzubauen. Mit einem selbstsicheren Hund macht das Leben mehr Spaß als mit einem, der sich gar nichts traut.

Anzeichen für einen freundlichen / verspielten Hund

Das ist das, was wir uns alle wünschen! Dein Hund ist freundlich und entspannt, wenn er locker und fröhlich läuft. Der Schwanz wird sozusagen auf der Linie des Rückens getragen und schwingt leicht hin und her. Der Mund ist geöffnet und die Lippen sind entspannt. Vorderkörper runter und Hintern in die Luft ist dann die eindeutige Aufforderung zum Spielen.

Was wir hier so anschaulich erklärt haben, solltest du unbedingt mal selbst beobachten. Achte bei den nächsten Hundetreffen darauf, wie sie sich untereinander verständigen. Und jetzt ab vor die Tür mit euch! 😉

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst.

Wenn dir der Blog gefallen hat, dann folge uns auch bei Facebook und Instagram oder abonniere am besten direkt unseren Newsletter (Kasten links in der Sidebar). Willkommen im Rudel!