Ich möchte niemanden dazu aufrufen, eine Hundeadoption aus dem Ausland nicht in Betracht zu ziehen. Einen Hund aus einer ausländischen Tötungsstation zu retten, mag ja ein ganz angenehmer Gedanke sein und das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Aber hier ist ganz besondere Vorsicht bei der Auswahl der Organisation zu beachten. Es gibt nämlich so einige schwarze Schafe unter dem Deckmantel des Tierschutzes. Was du beachten musst und woran du eine gute Tierschutzorganisation erkennst, verraten wir dir hier.

Bevor ich auf den Punkt komme, möchte ich kurz eine Geschichte erzählen, die vor ca. 2 Jahren meiner besten Freundin passiert ist. Sie hatte auf der Website einer spanischen Tierschutorganisation eine Hündin entdeckt, die ihr gefiel. Ihre Geschichte hörte sich schlimm an und sie verdiente es einfach, gerettet zu werden. Momo war ihr Name, ein Pinschermix mit leichtem Unterbiss, der auf den Fotos ein wenig verstrahlt, aber sympathisch aussah. Sie sollte es werden!

Meine Freundin nahm mit der Vermittlerin Kontakt auf und bekam direkt die Zusage. Man verabredete einen Treffpunkt auf einem Autobahnrastplatz in NRW und wollte dort die Übergabe machen. Der Hund kam dann per Transporter direkt aus Spanien. Also fand Momo ein neues Zuhause. Die ersten Tage liefen gut. Momo war ein bißchen scheu, aber bei der unbekannten Vorgeschichte, wusste man ja nicht was sie schon erlebt hatte. Beim Tierarztbesuch stellte sich dann heraus, dass Momo trächtig war. Auf Nachfrage bei der Organisation teilte man mit, Momo sei nur scheinschwanger, denn es sei absolut ausgeschlossen. Ein paar Wochen später erblickten 5 niedliche kleine Welpen das Licht der Welt…

Momo begann, in der Wohnung zu urinieren, zog sich immer mehr zurück und der Umgang mit ihr gestaltete sich zusehends schwieriger. Der Hund war zutiefst verunsichert und musste nach der aufregenden Zeit in Spanien und auf dem Transport plötzlich seine Welpen in einer total fremden Umgebung groß ziehen. Meine Freundin hatte das Glück, Momo mit zur Arbeit nehmen zu können, doch mit 5 Welpen im Schlepptau war das natürlich nicht möglich. Der Tierschutzverein hüllte sich in Schweigen. Trotz vorheriger Zusagen auf finanzielle Unterstützung und Organisation einer Betreuung bzw. Vermittlung. Doch statt Kooperation und Tipps, kamen wilde Schimpftiraden bis hin zu Beleidigungen und Drohungen per E-Mail.

Aufgrund der mangelnden Problemlösung seitens des Vereins, beschloss meine Freundin, die Vermittlung der Welpen selbst zu übernehmen. Einen kleinen Rüden wollte sie auch bei sich behalten. Für die anderen 4 Hundebabies fanden sich im Bekanntenkreis schnell Interessenten. In einem klaren und direkten Brief erklärte sie der Organisation, dass sie bislang keine Hilfe erhalten habe und sie damit auch zukünftig nicht mehr benötigen würde. Da wurde man in Spanien plötzlich aktiv. Noch in derselben Nacht standen deutsche Mitarbeiter des Vereins vor ihrer Tür und verlangten unter Polizeiandrohung die Herausgabe von Mutter und Welpen. Leider ließ sie sich verunsichern und hat die Tiere ausgehändigt. Natürlich hat sie weder von Momo noch von ihren Welpen je wieder etwas gesehen. Auch die Rückzahlung der Schutzgebühr, sowie die Kosten für die Aufzucht der Welpen (Futter, Tierarzt etc.) hat sie erst nach einem langen Rechtsstreit dank ihres Anwalts zurück bekommen.

Im Nachhinein hat sich heraus gestellt, dass es im Internet und den sozialen Medien bereits zahlreiche Opfer besagter Organisation gab. Einige hatten viel zu junge Welpen adoptiert, die nun gesundheitlich oder psychisch nicht ganz auf der Höhe waren. Einige hatten sogar Tiere bekommen, die wenige Tage nach ihrer Ankunft in Deutschland erkrankt und sogar verstorben sind. Es gab Verwechslungen, tierärztliche Schockdiagnosen und das eine oder andere Problem mit Verhaltensauffälligkeiten. Und das alles nur, um mit wehrlosen Tieren Profit zu machen. Und abkassieren tun die ordentlich. Es gibt nämlich z.B. in südeuropäischen Ländern häufig so etwas wie ein“Kopfgeld“ für jeden Straßenhund, der in ein Tierheim kommt. Dann werden die Tiere nach Deutschlabd vermittelt und hier gibt es vom neuen Besitzer eine Schutzgebühr (meist zwischen 200-300 €). Gleich doppelt verdient! Und im Falle meiner Freundin konnte man dann auch noch die 5 Welpen für jeweils 200-300 € verkaufen. Das hat sich mal richtig gelohnt.

Warum ich diese Geschichte erzähle? Auch bei vermeintlichen Tierschutzorganisationen gibt es schwarze Schafe. Wenn du ein Tier aus dem Ausland adoptieren möchtest, solltest du dich daher vorher genau informieren, mit wem du es da zu tun hast. Sonst wird der Traum vom Hund bald ein Alptraum. Die schönste und herzigste Beschreibung beim Foto des Hundes sagt dir nicht viel über sein Verhalten und seine Vorgeschichte. Häufig erkennt man schon am Schreibstil, dass viel zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wird und wichtige Informationen verschwiegen werden.

Dass ein Hund, der 2-3 Jahre auf der Straße und dann in einem Tierheim gelebt hat, nicht zwangsläufig eine liebe Fellnase ist, die nur gekuschelt werden will, ist das eine. Beachte, dass diese Hunde unser Leben in Deutschland nicht kennen. Sie sind im Idealfall auf der Straße aufgewachsen, in einem Rudel und haben selbst bestimmt, was passiert. Im schlechteren Fall waren sie jahrelang in einem Hinterhof angekettet oder sind misshandelt worden. Für sie macht es logisch betrachtet gar keinen Sinn, sich einem Menschen anzuschließen, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen haben. Oft braucht es gerade bei diesen Hunden einen kompetenten Menschen, der mit Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen und Fachwissen den Hund wieder glücklich machen kann. Der richtige Hund für den richtigen Menschen, auch das ist Verantwortung.

So erkennst du eine gute Tierschutzorganisation

Um mit gutem Gewissen und verantwortungsbewusst einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren, lohnt sich also genaues hinschauen. Das ist nicht nur für dich wichtig, um dir Zeit, Geld und Nerven zu sparen, sondern auch für das Notfellchen, das adoptiert werden soll.

Ein gute Organisation:

  • ist telefonisch erreichbar und beantwortet alle Fragen zu den Tieren, zum Transport und den gesundheitlichen Voraussetzungen für eine Ausreise.
  • arbeitet eng mit Tierärzten zusammen, haben den Gesundheitszustand der Tiere im Auge und kennen sich mit Krankheiten aus.
  • schickt die Tiere nur mit gültigen EU-Heimtierausweis, einem Mikrochip mit Identifikationsnummer, nötigen Impfungen, Wurmkur und Parasitenbehandlung auf die Reise.
  • gibt Welpen erst ab einem Alter von frühestens 8 Wochen ab.
  • aktualisiert regelmäßig die Website, informiert über Notfälle, Pflegestellen und Vermittlungen.
  • beschreibt die Hunde glaubwürdig (d.h. auch mit evtl. Macken und wer sich als Besitzer eignet)
  • ist transparent in Bezug auf seine Partnertierheime.
  • berät Interessenten ausführlich und besucht sie vorab Zuhause. 1-2 weitere Besuche nach Einzug des Hundes sind festgelegt.

Es ist wichtig, sich bei der Auswahl des Hundes nicht nur vom süßen oder mitleiderregenden Foto leiten zu lassen. Andernfalls unterstützt man möglicherweise einen Tierhändler oder Vermehrer. Deshalb schau genau hin, wo du dir deinen zukünftigen jahrelangen Begleiter her holst!

Wenn du Interesse an seriösen Tierschutzorganisationen hast, stellen wir dir gern eine Liste zur Verfügung und helfen bei der Suche. Oder hast du mit deinem Hund Verhaltensprobleme? Es gibt viele Trainer, die sich auf Problemfelle spezialisiert haben und die kompetent weiterhelfen können, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Schick uns gern eine E-Mail an info@hundefluesterer24.de.

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst. Folge uns auch bei Facebook oder Instagram. Willkommen im Rudel!