In letzter Zeit erreichen uns vermehrt Mails mit der Frage, wie man einen zweiten Hund ins Haus holt und worauf man achten sollte, wenn bereits ein oder mehrere Hunde im Haushalt leben. Bei uns selbst liegt es noch gar nicht so lange zurück, dass Freya bei uns eingezogen ist. Deshalb möchten wir euch heute ein paar Tipps geben, wie die Integration eines neuen Rudelmitglieds am besten klappt.

Bevor man auf die Suche geht…

Bevor man sich aktiv auf die Suche nach einem zweiten Hund macht, sollte man sich zuerst ernsthaft fragen, ob der bereits im Haushalt lebende Vierbeiner diese Idee tatsächlich gut findet. Es gibt durchaus Hunde, die ganz glücklich mit sich selbst und ihrem kleinen menschlichen Rudel sind und nichts weniger brauchen, als einen zweiten Hund, der ihren Alltag auf den Kopf stellt. Hat man beispielsweise einen Hundesenior zu Hause, für den es auch gern mal gemütlicher abgehen kann und der vielleicht schon alterstypische Erkrankungen wie Arthrose zeigt, ist es sicherlich keine gute Idee, einen jungen, quirligen Welpen dazu zu holen. Damit wäre der Senior möglicherweise überfordert und anstatt ihm einen schönen Lebensabend zu schaffen, setzt man ihn eventuell unnötigem Stress aus. Generell ist es wichtig, sich das Wesen und den Charakter seines Hundes anzuschauen, bevor man sich für einen zweiten Hund entscheidet. Denn wie bei uns Menschen können nicht alle Charaktere gleich gut miteinander. Man sollte wissen, welche Vorlieben, Verhaltensweisen, Energieniveau oder auch Probleme und Baustellen der eigene Hund an den Tag legt, um eine passende Auswahl für das neue Rudelmitglied treffen zu können.

Genau wie bei der Erstanschaffung eines Hundes ist auch hier wichtig, welche Rasse mit ihren typischen Eigenschaften du dir wünschst, die Größe, das Geschlecht und ob es ein Welpe werden soll oder du einem Second Hand Hund ein neues Zuhause geben möchtest. Kannst du die höheren finanziellen Kosten für alltägliche Dinge wie Futter, Spielzeug, Hundesteuern, Versicherung, Impfungen und unvorhergesehene medizinische Versorgungen tragen oder wird es schon beim ersten Hund knapp? Man sollte immer bedenken, dass man ab sofort alles doppelt zahlt. Denn mit zwei Hunden hat man z.B. die doppelte Chance, auf dem Spaziergang Flöhe einzusammeln oder dass sich die Hunde bei Krankheiten gegenseitig anstecken. Auch der Zeitfaktor spielt eine entscheidende Rolle. Es ist nämlich bei weitem nicht so, dass man die beiden einfach ihrem Glück überlassen kann. Natürlich beschäftigen sich zwei Hunde auch gern miteinander, allerdings läuft man bei zu wenig Beachtung massiv die Gefahr, dass sich ein zweites, kleineres Rudel bildet, in dem die Hunde sich nur noch aneinander orientieren und ihre Menschen links liegen gelassen werden. Zwei Hunde kommen auch auf doppelt so viele dumme Gedanken wie einer. Seine Verantwortung als Rudelchef ablegen zu wollen, indem man einen zweiten Hund holt, der dem ersten Gesellschaft leistet, funktioniert generell nicht. Das kann ich dir jetzt schon sagen. 😉

Ein arrangiertes Blind Date…

Ich bin der festen Überzeugung, dass der bereits im Haushalt lebende Hund hauptsächlich die Auswahl des neuen Weggefährten übernehmen sollte. Natürlich trifft man die Vorauswahl bezüglich Rasse, Alter, Geschlecht usw. Aber die letztendliche Entscheidung sollte bei dem Hund liegen, der schon bei dir zu Hause lebt. Beide Hunde sollten vor der Entscheidung die Möglichkeit haben, sich kennen zu lernen und dir mitzuteilen, was sie vom anderen halten. In unserem Fall war das ein arrangiertes Blind Date zwischen Murdoch und Freya. Bereits im Vorfeld hatten wir mit unserer Hundetrainerin (die beide Hunde gut kannte) besprochen, ob die beiden charakterlich und vom Energieniveau her zusammen passen.

Das erste, mit Spannung erwartete Treffen fand an einem für beide Hunde neutralen Ort statt, das heißt er befand sich weder im Gassi-Revier des einen noch des anderen. Auf gar keinen Fall sollte der neue Hund einfach ins Haus gebracht werden. Revierkämpfe und territoriale Aggression sind hier fast schon vorprogrammiert und das ist kein guter Start für das neue Rudel. Auch hier kommt es, wie bei uns Menschen, auf den ersten Eindruck an. Deshalb sollte man besonders beim ersten Treffen die Regeln dieses Kennenlernens als Rudelchef aktiv vorgeben. In unserem Fall hieß das, dass wir erst einmal nebeneinander an der Leine zum Park gelaufen sind. Die Hunde haben wir zunächst nicht großartig miteinander interagieren lassen. Sie liefen außen, während wir Menschen als natürliche Barriere innen liefen. Also kein intensives Beschnüffeln, Spielen oder dominante Gesten an der Leine. Durch das gemeinsame Spazierengehen formen die Hunde unterbewusst bereits ein Rudel und der Kontakt ohne Leine läuft dann meist unaufgeregter und entspannter ab. Erst wenn beide Hunde entspannt sind und nicht mehr unbedingt zum anderen drängen, kann man sie ableinen. Und jetzt kommt es auf deine Beobachtungsgabe an.

Wie verhalten sich die Hunde im Umgang miteinander? Zeigen sie gegenseitiges Interesse oder ignoriert einer den anderen? Legt jemand dominante Gesten an den Tag und lässt sich der andere im Gegenzug davon beeindrucken oder reagiert sogar verunsicher oder ängstlich? Wieviel Spannung steckt in den ersten Minuten der Begegnung? Als Mensch sollte man nun eher den Beobachterposten einnehmen und sich nur im Zweifelsfall in die Interaktion der Hunde einmischen. Am besten ist es, wenn man weiter läuft und die Hunde in Bewegung hält. Bei offensichtlicher Abneigung der Hunde gegeneinander, kann man sich von seinem Plan direkt verabschieden und man sollte sich nach einem anderen Hund umschauen, den man zu sich holen kann. Im Falle von Murdoch und Freya lief es überaus positiv ab. Das gegenseitige Beschnüffeln fiel recht kurz aus, da sie ja bereits auf dem Weg in den Park die Möglichkeit hatten, die Geruchsstoffe des anderen aufzunehmen und so die nötigen Informationen über das Gegenüber zu erhalten. Also gingen sie relativ schnell dazu über, die körperlichen Vorteile des anderen spielerisch zu überprüfen und tobten gemeinsam über die Wiese. Genau das ist der Punkt, wo du sehen kannst, ob es auch langfristig mit den beiden klappt. Wenn sich ihre Bewegungen ähneln und vielleicht sogar immer synchroner werden, ist das ein gutes Zeichen. In der Hundewelt nennt man das Spiegelung des Verhaltens, was immer ein großer Ausdruck von Sympathie und Ansehen ist und gute Weichen für eine harmonische Zukunft stellt. Nach ein paar Minuten war dann auch das geklärt und die beiden widmeten sich Dingen, die Hunde normalerweise auf einem Spaziergang tun: Schnüffeln, Entdecken und Markieren. Dabei fiel relativ schnell auf, dass sie gemeinsam den Park entdeckten. Sie schnüffelten an denselben Stellen, ohne sich gegenseitig daran zu hindern oder bestimmte Punkte territorial zu verteidigen. Ein gutes Zeichen also. Auf dem Rückweg liefen beide schon sehr entspannt nebeneinander an der Leine. Fast so als wäre es schon immer so gewesen. 🙂

Der Tag des Einzugs

Eigentlich ist es egal, wie oft die Hunde sich vorher bereits getroffen haben, wenn ein neuer Hund ins Haus kommt, sollte man IMMER vorher einen gemeinsamen Spaziergang unternehmen. So können die Hunde nicht nur das Rudel bilden, sondern auch ihre überschüssige Energie und eventuelle Anspannung los werden. Man sollte auch schauen, dass beide Hunde über ungefähr das gleiche Energieniveau verfügen. In unserem Fall war das bei Freyas Einzug leider ein bißchen unglücklich, aber es ließ sich nicht ändern. Wir haben Freya auf dem Rückweg von einem Kurztrip nach Prag eingesammelt und mit nach Hause genommen. Murdoch war für drei Tage bei Freunden im Dorf unter gekommen. Am Tag von Freyas Einzug hatte er bereits 3 Stunden am Meer verbracht, während Freya nicht nur in den Tagen und Wochen vorher, sondern auch am Tag selbst viel zu wenig Bewegung hatte. Nach 4 Stunden Autofahrt war sie voller Tatendrang, während Murdoch noch Sand in den Ohren hatte vom stundenlangen Geplantsche und natürlich schon ziemlich müde war. Trotzdem trafen wir uns draußen und gingen erst mal eine kleine Runde gemeinsam spazieren. Ich kann mich noch gut an Murdochs Gesicht erinnern, als er uns mit Freya kommen sah. So sehr er sie mochte, er wusste, dass es diesmal anders war. Und seine Begeisterung hielt sich ehrlich gesagt zunächst einmal in Grenzen. Anders bei Freya, die sich in ihrem jugendlichen Übermut sofort daran machte, die Rangfolge zu klären und dabei ziemlich rüpelig und ruppig vorging. Murdoch ließ sich zwar nicht die Butter vom Brot nehmen und zeigte ihr immer wieder ihre Grenzen auf, aber so richtig ideal war die Situation nicht. Dennoch haben wir es überstanden.

Sobald der neue Hund ins Haus kommt, sollte man die Regeln, die hier herrschen sofort klar stellen. In diesem Fall solltest du ausnahmsweise deinen alten Hund mit dir zusammen zuerst das Haus betreten lassen und erst dann darf das neue Rudelmitglied folgen. Auf diese Weise gibst du deinem Hund die Möglichkeit, den Neuen ins Haus einzuladen und ihn in seinem Territorium willkommen zu heißen. Gerade einem Hund, der schon etwas älter ist und vielleicht gerade in der schwierigen Rüpelphase sollte man nicht sofort Zutritt zu allen Räumen erlauben. Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass der Hund sich in seinem neuen Zuhause erst einmal umsehen soll. Was wir aus Hundesicht damit allerdings tun ist, ihm gleich beim ersten Betreten des Hauses das Zepter in die Pfote zu drücken und ihm die Verantwortung für die Rudelhöhle zu übertragen. Es bietet sich an, dem Hund nur ein paar wenige Räume zugänglich zu machen, z.B. das Wohnzimmer, wo sich das Rudel sowieso die meiste Zeit aufhält. Wir lassen ja auch nicht jeden Besucher gleich eine Hausführung machen und erlauben ihm, in unserem Schlafzimmer auf dem Bett Platz zu nehmen. Erst nach und nach sollte man die anderen Räume öffnen und dem neuen Hund Stück für Stück erlauben, sich Zuhause zu fühlen.

Die ersten Wochen mit dem neuen Hund

In der Regel werden die ersten paar Wochen mit dem neuen Hund sehr anstrengend für alle Beteiligten. Durch das neue Mitglied im Haus ist das Gefüge des Rudels gestört und es muss erst einmal eine neue Hierarchie gefunden werden. In unserem Fall versuchte Freya permanent, die Regeln heraus zu finden sowie bereits gesteckte Grenzen auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Da muss man schon ganz schön bei der Sache sein und die erste Zeit verlangt viel ab von den Rudelmitgliedern, alten wie neuen. Wenn dein alter Hund in dieser Zeit ungewohnt ruppig mit dem neuen Mitbewohner umgeht, Schlafplätze, Futter und Spielzeug verteidigt oder sogar eifersüchtig darauf reagiert, dass du dich mit dem neuen Hund beschäftigst, ist das ein absolut normales Verhalten. Mische dich nur ein, wenn die Stimmung in Aggressivität zu kippen scheint oder du den Eindruck hast, einer der beiden Hunde könnte deine Unterstützung als Rudelchef gebrauchen.

Am besten nimmt man sich für die ersten zwei bis drei Wochen Urlaub, denn um das Rudel in eine entspannte Situation zu bringen, wird man viel Zeit opfern müssen. Spazieren gehen mit dem ganzen Rudel und das so viel wie möglich ist die Basis für ein späteres entspanntes Miteinander. Ganz wichtig ist es, dass auch beim Training dein alter Hund immer gelobt wird, wenn er etwas richtig macht. Das klingt logisch, aber man vergisst es vielleicht manchmal, wenn man sich gerade auf die Erziehung des anderen konzentriert. Du musst penibel darauf achten, deinen Ersthund nicht zu vernachlässigen. Auch und gerade, wenn dieser sich vorbildlich verhält und alle Kommandos sofort umsetzt. Lobst du ihn, gibst du ihm auf der einen Seite das Gefühl, dass er sich ganz besonders toll verhalten hat und auf der anderen Seite zeigst du deinem neuen Hund, welches Verhalten bei euch im Rudel belohnt wird. Ich bemerke beispielsweise oft, dass Freya sich erstaunt umschaut, wenn Murdoch für ein Kommando gelobt wird, und dieses dann ebenfalls schnell umsetzt. Hole dir die Unterstützung deines ersten Hundes, um mit dem zweiten schneller und effizienter voran zu kommen.

Die Frage der Eifersucht kam in euren Mails und Nachrichten häufig auf und deshalb möchte ich hier noch einmal gesondert darauf eingehen. Es gibt eigentlich keine echte Eifersucht bei Hunden, da bin ich fest von überzeugt. Es ist nur leider (oder zum Glück) so, dass du als Rudelführer eine Ressource darstellst, die die Hunde erst teilen lernen müssen. Damit das auf möglichst friedliche Aret geschieht und sich niemand benachteiligt fühlt, solltest du deinem Ersthund weiterhin all die Freiheiten und Privilegien gönnen, die er auch vorher schon hatte. Bei uns ist es z.B. so, dass Murdoch im Bett schlafen darf. Schon allein die Tatsache, dass das Bett Freya am Anfang (und auch heute noch, nach mehr als einem halben Jahr) verwehrt blieb, gab ihm schon etwas mehr Sicherheit. Auch die Couch war Anfangs für das neue Rudelmitglied tabu. Das mag herzlos klingen und sieht in unseren Augen nach Bevorzugung aus, aber aus Sicht der Hunde macht das absolut Sinn. Neue Rudelmitglieder starten in der Regel ganz unten in der Hierarchie und müssen sich das Vertrauen und die Provilegien erst erarbeiten, die dein alter Hund bereits hat. Es sollten also in diesem Hinblick auf keinen Fall alle gleich behandelt werden. Beobachte in den nächsten Wochen und Monaten genau, ob und wie sich die Rudelstellung verändert und passe dein Verhalten entsprechend an. Der Rudelchef sollte immer zuerst Leckerchen oder Futter bekommen und auch bei allen anderen Aktivitäten der erste sein. Das neue Rudelmitglied muss sich hinten anstellen, auch wenn es dir schwer fällt und du vielleicht Mitleid hast. Auf lange Sicht tust du beiden damit einen Gefallen, denn Eifersucht ist völlig fehl am Platz.

Und mit ein bißchen Glück hat man dann bald Bilder wie das hier, über die man sich freuen kann. 🙂

Wir hoffen, wir konnten dir ein paar Tipps zum Thema Zweithund geben. Wenn dir etwas fehlt oder du weitere Tipps und Vorschläge hast, freuen wir uns auf deine Meinung dein Feedback im Kommentarfeld. Wenn du mehr von uns lesen möchtest, dann lade dir unser kostenloses eBook „In 5 Schritten zum Hundeflüsterer“ herunter. Findest du gut, was wir schreiben? Dann komm in unser Rudel und folge uns auf Facebook und Instagram, oder abonniere am besten gleich unseren Newsletter (im grünen Kasten links oben). Wir freuen uns auf dein Feedback, deine Anregungen, Erfahrungen und Geschichten. Willkommen im Rudel!