In Deutschland haben fast 10 Millionen Deutsche einen Hund, von denen die Berufe als Selbständiger oder Freiberufler überproportional vertreten sind. Den Hund mit ins Büro zu nehmen, scheint für viele ein Traum zu sein. Dabei bietet ein Hund am Arbeitsplatz nicht nur dem Hundehalter selbst, sondern auch den Kollegen und Mitarbeitern viele Vorteile. Wie das aber ist, wenn man sein Büro auf der Autobahn und in den großen und kleinen Veranstaltungshallen der Republik hat, dazu gibt es heute eine kleine persönliche Geschichte und ein paar Trainingstipps.

Als mein erster eigener Hund Herr Dr. Schröder zu mir kam, war ich gerade Anfang 20 und in meinem Beruf als Eventmanager noch in der Startphase. Eigentlich, aufgrund der vielen Arbeit, keine gute Voraussetzung, sich die Verantwortung für einen Hund ans Bein zu nageln, aber ich wollte so gern einen vierbeinigen Kumpel haben. So kam es, dass Schröder im Laufe seines Lebens so ziemlich jede Veranstaltungshalle Deutschlands kannte und auch mit einigen nationalen und internationalen Stars „befreundet“ war. Das Backstage und die Bühne waren sein Spielplatz. Künstler und Techniker haben ihn geliebt. Er sorgte immer für eine gute Stimmung, wenn er die Halle betrat. Eigentlich war er der wahre Superstar in dem ganzen Tourzirkus.

Wie man solch ein stressiges und turbulentes Leben mit den Ansprüchen und Wünschen eines Hundes bestmöglich unter einen Hut bringt, schauen wir uns heute mal an.

Klare Regeln und Grenzen

So sehr es sich nach Rock´n´Roll und langen Nächten anhören mag, das Leben auf einer großen Tournee ist ziemlich eng durchgeplant. Zumindest für die Menschen, die dafür sorgen müssen, dass alles klappt und die Besucher eine tolle Zeit haben. Es gibt ganz bestimmte Regeln, an die der Hund sich halten muss, damit es klappt – zu seiner Sicherheit, der aller Mitarbeiter und der Besucher. Es ist z.B. keine gute Idee, einen Lautsprecher mit einem Baum zu verwechseln und ihn zu markieren. Auch eine Scheu und Unsicherheit fremden Menschen und Situationen gegenüber ist keine gute Ausgangsbasis für ein funktionierendes Team in solch einem stressigen Umfeld.

Auf der anderen Seite gab es aber auch ganz klare Erwartungshaltungen seitens Schröder, wenn es z.B. beim Abbau nach dem Konzert um die Weiterverwendung von Gaffa-Tape ging. Auf so ziemlich jeder Tournee zwischen 2003 und 20011 gewöhnten die Techniker es sich an, daraus Bälle zu formen und sie quer über die Bühne zu schießen. Schrödi immer hinterher! Irgendwann stand er dann wild hechelnd vor mir und knallte mir den vollgesabberten Gaffa-Ball vor die Füße. Ich glaube, damit wollte er sagen, dass die Jungs jetzt arbeiten und wir ins Hotel müssen.

Handzeichen und Distanzen

Dass Hunde alles wesentlich lauter hören, als wir und deshalb keinen hohen Lautstärken ausgesetzt sein sollen, ist ja selbstverständlich. Ist man aber nun mit einem kleinen Singer/Songwriter auf Tournee und der Club hat kein vernünftiges Backstage, konnte es schon mal vorkommen, dass Schrödi mit im Besucherraum war. Wenn dann nun besagter Sänger gerade eine wunderschöne Ballade spielt, das Publikum dahin driftet und der Hund sich entscheidet, mal eine kleine Taschenkontrolle zu machen und jedem Hallo zu sagen, kann man ja nicht laut schreiend dazwischen springen. Es war also von Anfang an wichtig, dass er lernte, auf Handzeichen, statt akustische Kommandos zu achten. Wahrscheinlich ist das der Ursprung meiner Leidenschaft für die Hundesprache und das Hundeflüstern.

Um deinen Hund auch auf größere Distanz ohne Worte beeinflussen zu können, sind verschiedene Schritte nötig. Das allerwichtigste ist, dass er den Blickkontakt mit dir sucht. Das erreichst du am besten, indem du dich für ihn interessant machst. Ein paar Tipps für spannende Spaziergänge gibt es hier. Wenn er bereits auf akustische Kommandos reagiert und diese kennt, verbinde sie mit einem Handzeichen deiner Wahl. Benutze nun im Training öfter das Wort, zusammen mit dem Handzeichen. Sage das Signalwort immer leiser, so dass dein Hund lernt, sich auf deine Hand zu konzentrieren. Dann langsam dazu übergehen, nur noch das Handzeichen zu benutzen.

Um auch über die Distanz Schröders Aufmerksamkeit zu erlangen, bin ich Anfangs meist in sein Blickfeld geschlichen und habe wild mit den Armen gewedelt. Im Laufe der Zeit hat er aber die Regeln akzeptiert und hat mich entweder öfter angeschaut oder ist gleich auf seinem Kissen eingeschlafen und hat die Musik genossen. Meist habe ich mich dann für ein paar Minuten zu ihm gesetzt und das waren die schönsten Momente überhaupt.

Den Wahnsinn in Balance bringen

Natürlich kann man von seinem Hund nicht erwarten, dass er sich immer nur gehorsam, freundlich und anpassungsfähig verhält. Die aufgestaute Energie muss auch ab und zu mal richtig raus. Für die Teambeziehung ist es auch wichtig, dem Hund einen entsprechenden Ausgleich zu diesen, für normale Hunde doch sehr untypischen Tagesabläufen und Situationen, zu geben. Deshalb haben wir z.B. oft unsere Meetings und Besprechungen draußen abgehalten und tun das auch immer noch regelmäßig. Kurz geschaut, wo es einen kleinen Park in der Nähe der Halle gab und alle hin. Ein bißchen Bewegung an der frischen Luft tat gut, im Gegensatz zu den grauen Betonwänden der Backstage-Bereiche. Schrödi konnte ein bißchen schnüffeln und Stöckchen spielen.

Die wilden Spiele mit den Gaffa-Bällen, die ich oben schon beschrieben habe oder der elegante Sprung auf die Bühne, wenn wir den Saal betraten. Schrödi wusste, wie man sich als gefeierter Star verhält. Sein freundliches, verspieltes Wesen riss alle vom Hocker. Von der ausgleichenden Kraft auf die Psyche der mitreisenden Menschen mal ganz zu schweigen.

Viele Unternehmen haben die Vorteile eines Bürohundes bereits erkannt und gehen mit gutem Beispiel voran. Wer Interesse hat, das Thema „Hund im Büro“ zu unterstützen oder sogar seinem Chef vorzuschlagen, findet beim Bundesverband Bürohund e.V. zahlreiches Infomaterial und Unterstützung. Unter anderem gibt es dort ein Bürohund Toolkit mit Arbeitgeberbroschüre, Ablaufplan, nötige Formulare zum Download, Musterverträge und tolles Büromaterial. Einfach mal dort vorbei schauen und sich informieren.

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst.

Habt ihr bei euch im Büro einen oder mehrere Hunde? Wie klappt die Zusammenarbeit und was findest du besonders schön an den Vierbeinern am Arbeitsplatz? Wir freuen uns über dein Feedback, deine Meinung und Geschichte. Folge und auch bei Facebook und Instagram. Willkommen im Rudel! 🙂