Die Ausgangsbasis für ein gutes Miteinander zwischen dir und deinem Hund sind gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Dazu reicht es nicht, einmal die Woche in die Hundeschule zu gehen. Das merkt dein Hund genau und benimmt sich dort zwar vorbildlich, hat aber Zuhause alles wieder vergessen. Deshalb ist es wichtig auch im Alltag zwischendurch immer wieder die Beziehung Mensch-Hund zu formen, am besten direkt vom ersten Tag an. Wir haben 5 Übungen für dich, die euch zu einem echten Dream Team machen.

Schau mir in die Augen, Kleines!

Das ist für mich die Nr. 1 bei allen Übungen! Nur wenn der Hund dir seine volle Aufmerksamkeit schenkt, wird es richtig magisch in eurer Beziehung. Ich trainiere das mit allen neuen Hunden als erstes, denn ich möchte, dass sich die Vierbeiner ein Feedback von mir holen, wie sie reagieren sollen, z.B. wenn wir vor einer neuen Situation stehen. Der Blickkontakt ist auch die Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Hund, denn schließlich soll er von dir erfahren, was im Training zu tun ist.

So kannst du es trainieren:
Am schnellsten klappt diese Übung, wenn du deinen Hund schon mit dem Clicker vertraut gemacht hast und er das Prinzip verstanden hat. Setz dich einfach mit ein paar Leckerchen gemütlich an den Tisch, lass deinen Hund vor dir Sitz machen und warte… bis er von der Hand mit dem Leckerchen weg und dir direkt in die Augen schaut – Zack! Clicker! Leckerchen rein! Am Anfang wirst du richtig aufpassen müssen, denn der Augenblick (im wahrsten Sinne des Wortes) wird nur flüchtig sein, dann geht der Blick zurück zur Hand. Du musst möglichst auf den Punkt treffen, mit dem Click. Im Laufe der Zeit wird der Blick des Hundes aber immer länger haften bleiben und irgendwann wird er automatisch immer dich anschauen.

Ich hab alles unter Kontrolle

Es gibt Leute, die sich mit ihrem Hund nicht mehr vor die Tür trauen, weil er sich draußen wie ein Wahnsinniger benimmt (an der Leine zerrt, andere Hunde anpöbelt usw.) und somit der Spaziergang zu einem wahren Höllenritt wird. Das liegt häufig in erster Linie daran, dass der Mensch schon vor dem Spaziergang beunruhigt ist und nur das Schlechteste von seinem Hund erwartet. Dann nimmt er sich nicht genug Zeit, um den aufgeregten und vorfreudigen Hund zu beruhigen, bevor es auf die Straße geht. Bedenke immer, dass in der Hundewelt die ranghöheren Tiere als erstes auf der Bildfläche erscheinen. Wer den Raum/die Umgebung als erstes betritt, verschafft sich einen Gesamteindruck über die Lage und sorgt für die Sicherheit aller anderen Rudelmitglieder.

So kannst du es trainieren:
Ich liebe Türen! Denn jede Tür eröffnet die Möglichkeit, seinen Status als Rudelchef auf sanfte Weise zu etablieren. Es ist egal, ob es die Haustür ist oder die zum Schlafzimmer, gib ihr eine Bedeutung und mach sie zur Grenze. Eine Grenze, die der Hund nur auf Einladung überschreiten darf. Positioniere dich dazu an der Tür und lass den Hund ein Stück hinter dir sitzen. Warte, bis er nicht mehr so aufgeregt wedelt und dir (siehe oben) in die Augen schaut. Dann betrittst du den Raum und lädst ihn ein, dir zu folgen. Besonders an der Haustür, bevor es Gassi geht, ist das wichtig. Der Hund sollte immer in einem ruhigen emotionalen Zustand sein. Zuviel Aufregung tut ihm nicht gut, das macht ihn vor der Tür und während des Spaziergangs nur umso aufgeregter. Auch hier gilt: Beruhigen, Augenkontakt, du gehst als erster raus!

Die Hand, die dich füttert…

Die Sache mit dem Futter hat gleich mehrere Vorteile! Zum einen lernt dein Hund, dass du die Ressourcen verwaltest (als Rudelchef), zum anderen wird es einfacher Unarten zu vermeiden, wie z.B. Futterneid oder Futtersuche beim Gassi (Giftköder!). Ziel ist wieder, einen ruhigen Hund vor sich zu haben, der den Augenkontakt sucht. Mach deinem Hund klar, dass du bestimmst, wann und was es zu fressen gibt. In unserer Welt gibt es zu viele Dinge, die gefährlich für den Hund sind, wenn er sie frisst. Du tust dieses vermeindlich dominante Spiel im Grunde dem Hund zuliebe.

So kannst du es trainieren:
Du brauchst Futter! Ob Leckerchen oder normale Mahlzeit ist eigentlich egal. Auch hier ist wieder das Ziel, dass der Hund ruhig sitzt, liegt oder steht und den Augenkontakt sucht. Das reine Futter-auf-den-Boden-stellen soll noch kein Signal für deinen Hund sein, dass er es sich jetzt holen darf. Er soll weiter sitzen bleiben und dich anschauen, bis du es freigibst. Manche Hunde winseln, stubsen einen an oder versuchen sich das Futter mit ein bißchen mehr Nachdruck zu holen. Ignoriere das einfach!

Als Freya zu uns kam, kannte sie natürlich die Fütterungsregeln noch nicht. Murdoch hatte durch die vielen Gasthunde, die uns immer besuchen, schon Ahnung. Hier war seine Hilfe super, denn er hat Freya relativ schnell gezeigt, wie es funktioniert. Einfach durch Vormachen. Sie hat sich alles abgeguckt. Heute liegen sie beide brav an der Küchentür, während ich das Abendessen vorbereite. Dann folgen sie mir (okay, immer noch relativ aufgeregt) ins Wohnzimmer, setzen sich dort beide wie ´ne Eins hin und schauen mir in die Augen. Ich sage dann „Murdoch, guten Appetit!“ und zeige auf seinen Napf. Freya bleibt sitzen, weil ich sie ja noch nicht angesprochen habe. Dann ist sie dran und man hört für ein paar Minuten nur zufriedenes Schmatzen.

Macht etwas gemeinsam, dass dem Hund Spaß macht

Mal ehrlich: Wir erwarten von unseren Hunden doch ziemlich viel! Dauernd müssen sie sich unserem teilweise hektischen Tagesablauf anpassen und relativ viel funktionieren. Da der Hund sich so perfekt an den Menschen anpassen kann, verlieren wir manchmal die Gerechtigkeit aus den Augen und achten nicht mehr auf die Bedürfnisse des Hundes. Dabei ist ein ausgeglichener Hund die Basis für ein entspanntes Zusammenleben. Hier deshalb ein paar Spieletipps, die auch deinem Hund Spaß machen könnten. Probiere es einfach mal aus!

Tipps für Spiele mit deinem Hund:

  • Futter/Leckerchen – Es gibt viele Hundemenschen, die das Frühstück des Hundes mit auf den Spaziergang nehmen. Dort kann man es verstecken (siehe Nasenarbeit) oder werfen (in Kombination mit z.B. Rückrufsignal). Was glaubst du, wie interessant es dann für den Hund auf einmal ist, dir seine volle Aufmerksamkeit zu schenken!
  • Verstecken spielen – Lass deinen Hund warten und verstecke einen Futterbeutel oder sogar dich selber. Auf ein Signal hin soll der Hund dich dann finden. Sich selbst verstecken klappt übrigens sehr gut bei neuen Hunden mit etwas mehr Eigenständigkeit, die auf dem Spaziergang gern vor laufen und nicht mehr auf dich achten. Kurz hinter einem Baum verstecken und beobachte mal, was passiert. Sobald der Hund bemerkt, dass du weg bist, wird er die Suche starten. Für ihn ist es nämlich am wichtigsten, dass das Rudel zusammen bleibt. Wenn du jetzt also aufhörst, ständig deinem Hund hinterher zu rennen und ihn dafür verantwortlich machst, Anschluss zu halten, hast du gewonnen!
  • Rumtoben – Hunde spielen Tobespiele. Sie lieben das! Deshalb sollte man ab und an auch mal richtig raufen mit den kleinen Stinkern. Dabei ist es nicht schlimm, wenn das Maul geöffnet ist und man ab und an mal eine leichte Berührung eines Zahnes spürt. Wenn es zu heftig wird, solltest du das Spiel einfach abbrechen. Dann merkt der Hund, dass Toben erwünscht ist, aber grob werden nicht.
  • Schwimmen – Wenn dein Hund Wasser mag, dann geht doch mal gemeinsam schwimmen oder plantschen. Aber pass auf, die Krallen des Hundes sind unter Wasser auf nackter Haut sehr schmerzhaft… 😉
  • Buddeln – Buddelt gemeinsam! Sucht Mäuse, Spuren im Schnee oder vergrabenes Futter! Buddeln gehört für die meisten Hunderassen zu einem angeborenen Verhalten, ist also genetisch tief verankert. Wenn ihr gemeinsam buddelt, kontrollierst du diesen Drang nicht nur (was positiv sein könnte, wenn du einen Garten besitzt), sondern schaffst auch eine Verbindung auf instinktiver Ebene. Und es trainiert die Nase!
  • Nasenarbeit – Die Nase ist das wichtigste Sinnesorgan des Hundes. Deshalb ist es wichtig, dass er sie so viel wie möglich einsetzt. Verstecke z.B. den Futterbeutel im Wald, während dein Hund wartet und lass ihn dann suchen. Oder werfe Leckerchen in gemähtes Gras oder Laubhaufen. Dein Hund wird begeistert sein.
  • Action & Fun – Der Standard: Bällchen/Stöckchen spielen etc. Kann man gut einsetzen für schnelles Auspowern und hervorragend mit ein paar Gehorsamsübungen verbinden. Wenn dein Hund ein Balljunky ist, brauchst du noch nicht mal Leckerlies. Der Ball wird Belohnung genug sein.
  • Joggen/Fahrrad fahren – gemeinsam Laufen wirkt Wunder bei der Rudelbildung. Wenn man statt einfach Spazieren zu gehen, joggt oder mit dem Fahrrad das Tempo für den Hund erhöht, kann er seine überschüssige Energie los werden und wird hinterher zufriedener und ausgeglichener sein. Kläre aber vorher ab, ob dein Hund körperlich in der Lage dazu bzw. alt genug ist.

Finde heraus, was deinem Hund besonders Spaß macht und spiele gezielt solche Spiele. Das lastet ihn aus und macht ihn unglaublich zufrieden. Außerdem wird er dich vergöttern, weil du so tolle Spiele kennst! 🙂

Es ist einfach wie es ist

Der Hund nimmt alle Anweisungen zuerst einmal wertfrei entgegen. Ob sie positiv oder negativ im Gehirn des Hundes verankert werden, liegt dann in deiner Hand. Nehmen wir ein Beispiel: Draußen sind 35°C im Schatten und du musst dringend mal einkaufen gehen. Du weißt, dass dein Hund unter Trennungsangst leidest, aber es ist einfach unmöglich ihn mitzunehmen. Wir alle wissen ja um die Überhitzungsgefahr im Auto.

So kannst du es trainieren:
Bei dieser Übung musst du eigentlich nur an dir selber arbeiten. Klingt einfach, aber du wirst schon sehen… Behalte deine Emotionen unter Kontrolle, egal was passiert! Für den Hund fühlen sich Sachen nur noch schlimmer an, wenn du ihn in seiner Angst bestätigst. Das machst du z.B. wenn du ihm beruhigend zuredest oder ihn offenkundig bedauerst. Achte also mehr auf den Klang deiner Stimme und deine Emotionen. Hast du schon vor der Verabschiedung ein schlechtes Gewissen, weil er jetzt 3 Stunden allein bleiben muss, bislang aber max. 1 Stunde allein war? Damit machst du deinen Hund nur misstrauisch und unsicher. Verhalte dich ganz normal und biete ihm dadurch die Sicherheit, die er braucht. Dann kann er mit Situationen besser umgehen. Warum sollte er sich Sorgen machen, wenn du alles im Griff hast?

Wir wünschen euch viel Spaß beim Trainieren und Spielen!

Wir haben zu dem Thema „5 Schritte zum Hundeflüsterer“ ein eBook geschrieben, dass du dir hier kostenlos downloaden kannst. Folge uns auch bei Facebook oder Instagram. Willkommen im Rudel!